Am 18. Februar hat der Gemeinderat über den Haushalt 2026 beraten und ihn einstimmig beschlossen. Im Rahmen der Sitzung hielt Daniel Willenborg, Vorsitzender der UWG-Fraktion, die Haushaltsrede.
In seiner Ansprache nahm er Stellung zu den anstehenden Entscheidungen und ordnete die finanzielle Entwicklung der Gemeinde ein. Die Rede setzt auch Impulse für die weitere politische Diskussion und unterstreicht die Bedeutung verantwortungsvoller Kommunalpolitik.
Die vollständige Haushaltsrede:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrter Ratsvorsitzender,
liebe Ratskolleginnen und Ratskollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,
wenn man auf diesen Haushalt blickt, dann wird schnell klar: Wir sprechen hier nicht über Kleinigkeiten, sondern über Weichenstellungen für viele Jahre. Der Ergebnishaushalt 2026 weist ordentliche Erträge von 17,3 Millionen Euro und ordentliche Aufwendungen von 16,2 Millionen Euro aus. Geplant ist ein Überschuss von rund 1,0 Millionen Euro.
Das ist solide gerechnet und zeigt, dass Verwaltung und Kämmerei ihre Hausaufgaben gemacht haben. Dafür gilt ausdrücklich unser Dank.
Im Finanzhaushalt hingegen sehen wir die eigentliche Dimension der kommenden Jahre: Investitionsauszahlungen von rund 20,6 Millionen Euro stehen Einzahlungen von etwa 5 Millionen Euro gegenüber. Zur Finanzierung sind Kreditaufnahmen von 13,2 Millionen Euro vorgesehen. Und die Zeiten historisch niedriger Zinsen liegen inzwischen hinter uns – sie waren gewissermaßen ein Zeitfenster, das sich im Verlauf unserer durchaus lebhaften Diskussionen geschlossen hat. Der Schuldenstand wird nun voraussichtlich auf rund 18,9 Millionen Euro steigen. Was bedeutet das für die Pro-Kopf-Verschuldung? Ein Anstieg von 818 € auf etwa 2.340 € je Einwohner! Diese Zahl sollte man sich bewusst machen – nicht dramatisierend, aber auch nicht achselzuckend.
Das ist eine deutliche Veränderung unserer finanziellen Lage – bewusst im Abstimmungsverhalten gewählt, aber eben mit langfristigen Folgen für unsere Finanzsituation.
Ein zentrales Thema bleibt dabei das Großprojekt Rathaus und Dorfgemeinschaftshaus. Die UWG hat sehr früh darauf hingewiesen, dass ein solches Vorhaben in der Gebäudefrage nicht isoliert betrachtet werden darf – und das werden wir auch weiterhin deutlich benennen. Inzwischen sehen wir sehr klar, welche indirekten Kosten damit verbunden sind: der Neubau des Feuerwehrhauses und der damit verbundene Ausbau der Straße Schierlingsdamm, die zwischenzeitliche Unterbringung der Feuerwehr in Privathallen, der Umzug der Verwaltung in Containerlösungen sowie zusätzliche Planungs- und Personalkosten.
All das sind keine Randnotizen, sondern reale finanzielle Auswirkungen. Unsere damalige Kritik war kein Selbstzweck, sondern Ausdruck unserer Verantwortung. Nun sind diese Folgekosten eingetreten. Das ist kein Anlass für Rechthaberei – aber eine Mahnung, bei zukünftigen Großprojekten finanziell weitsichtig vorzugehen. Und wir sollten uns bewusst sein: Auch in den kommenden Jahren können aus diesem Projekt weitere Kosten entstehen.
Gerade deshalb darf bei aller Investitionsbereitschaft eines nicht passieren: Dass steigende Ausgaben am Ende einfach über höhere Hebesätze refinanziert werden. Vor dem Hintergrund der Entwicklung rund um den Rathausneubau stehen wir als UWG nicht für zukünftig mögliche Steuererhöhungen, sondern für Stabilität für unsere Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger.
Gleichzeitig stehen bereits neue große Bauvorhaben im Raum. Die seit Jahren anhaltende Debatte über den Bau einer zusätzlichen Sporthalle in Cappeln zeigt, wie hoch der Bedarf ist. Aber wir müssen offen sagen: Eine weitere Halle wäre zwar hilfreich, aber ein weiteres Investitionsprojekt in Millionenhöhe – und das in einer ohnehin angespannten Investitionsphase. Parallel dazu ist die Sanierung der Sporthalle in Sevelten mit 750.000 € im Haushalt eingeplant. Die Sanierung der Sporthalle in Cappeln in Höhe von 1,6 Millionen Euro wurde bereits abgeschlossen. Hier sind also in den vergangenen Jahren erhebliche Mittel in den Erhalt unserer Sportstätten geflossen.
Hinzu kommt die Erweiterung der Grundschule in Cappeln mit einem Gesamtvolumen von 2,2 Millionen Euro. Ein erheblicher Teil wird durch Fördermittel getragen – das ist richtig und wichtig. Dennoch bleibt ein Eigenanteil bei der Gemeinde. Bildung ist eine der sinnvollsten Investitionen überhaupt, aber auch sie muss auch in das Gesamtbild unserer finanziellen Leistungsfähigkeit passen.
Neben unseren eigenen Projekten dürfen wir die externen Belastungen nicht vergessen. Die Kreisumlage liegt trotz leichter Absenkung bei rund 5,4 Millionen Euro. Das sind erhebliche Mittel, die unseren Handlungsspielraum vor unserer eigenen Haustür einschränken. Umso wichtiger ist es, dass wir mit Mitteln die vor Ort bleiben diszipliniert investieren und Folgekosten ehrlich berücksichtigen.
Positiv hervorzuheben ist die verhältnismäßig eher geringe, aber weitreichende Investition von rund 310.000 € im Jahr 2026 in unseren ecopark. Unser dezentraler Gewerbepark hat in naher Zukunft wohl kaum noch Gewerbeflächen anzubieten – was im besten Sinne für sich spricht. In den Jahren der Gründung wurde er vereinzelt stark kritisiert. Heute steht er für innovative Unternehmen, Arbeitsplätze und positive Steuereffekte für unsere Gemeindekasse. Gleichzeitig dürfen wir die wirtschaftliche Entwicklung direkt vor der eigenen Tür aber nicht aus dem Blick verlieren.
Genau hier zeigt sich, wie wichtig es ist, wirtschaftliche Entwicklung langfristig zu denken. Wer heute erfolgreich ist, muss auch für morgen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Nachhaltigkeit bedeutet für uns deshalb nicht nur ökologische Verantwortung, sondern strategische Standortpolitik und Wirtschaftsförderung.
Dass wir aktuell Flächen für Batteriespeicher ausweisen wollen und bereits Unternehmen ihr Interesse bekundet haben, ist Ausdruck dieses Denkens. Energiespeicher sind ein zentraler Baustein einer modernen Energieinfrastruktur. Wenn wir hier mit Augenmaß planen, verbinden wir wirtschaftliche Stärke mit ökologischer Zukunftsfähigkeit – und sichern damit die Wettbewerbsfähigkeit unserer Gemeinde auch für kommende Generationen.
Alles in allem zeigt sich: Wir sprechen nicht über Einzelmaßnahmen, sondern über strukturelle Entscheidungen mit langfristiger Wirkung – in einer Phase steigender Verschuldung. Deshalb braucht es klare Prioritäten. Sicherheit, Bildung, Wirtschaftsförderung und funktionierende Infrastruktur sind Kernaufgaben. Aber nicht alles kann gleichzeitig umgesetzt werden.
Die UWG wird diesem Haushalt zustimmen, weil die wesentlichen Investitionen notwendig sind – wenn auch aus unserer Sicht in Teilen vermeidbar gewesen wären.
Wir freuen uns weiterhin auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Fraktionen. Unterschiedliche Meinungen gehören in unserer Runde dazu. Das Ziel der UWG ist klar: Wir wollen eine starke, nachhaltige und finanziell handlungsfähige Gemeinde Cappeln bleiben.
Unser ausdrücklicher Dank gilt allen Mitarbeitenden der Verwaltung. Zwischen Großprojekten, Übergangslösungen und steigenden Anforderungen sorgen sie – und manchmal sicher auch mit einer extra Portion Kaffee – dafür, dass alles läuft.
Lasst uns Cappeln stark machen – durch Austausch, Sachlichkeit, Respekt und einer Kultur des Zusammenhalts. Gerade in Zeiten, in denen unsere Grundwerte zunehmend unter Druck geraten und extreme Positionen wieder an Zustimmung gewinnen.
Umso mehr liegt es an uns als ehrenamtliche Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker, hier vor Ort Haltung zu zeigen und unsere demokratische Mitte auch in Cappeln zu verteidigen.
Vielen Dank & weiterhin frohes Schaffen!
Daniel Willenborg
Vorsitzender Fraktion UWG Cappeln
Foto oben: Symbolfoto.
